| Veranstaltung: | Deli |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Rebecca Mahneke |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 12.08.2026, 14:18 |
A1: Die Stadt der Zukunft ist grün
Antragstext
Die Natur und die Menschen sind in Städten zu Zeiten der Klimakrise und des
Artensterbens global extremen Belastungen ausgesetzt. Um diesen
Herausforderungen gerecht zu werden, müssen unsere Städte zu natur- und
menschengerechten Orten umgestaltet werden. Die aktuelle Stadtplanung
konzentriert sich vorrangig auf Autos und missachtet dabei die menschlichen und
ökologischen Interessen und Bedürfnisse. Städte der Zukunft müssen
menschengerecht, das heißt klimagerecht, emissionsarm und biodivers sein. In
einer solchen Stadt haben alle Menschen unmittelbaren Zugang zu Grünflächen und
insgesamt kürzere Wege zwischen Wohnen, Arbeiten, Einkauf und Erholung.
Durch die Klimakrise bedingte Hitzewellen töten jährlich tausende Menschen in
Deutschland. Das zeigt, dass ein grüner Umbau unserer Städte unausweichlich ist.
Die Hitzebelastung kann in Städten durch grüne und blaue Infrastruktur deutlich
verringert werden. Grüne Infrastruktur kühlt nicht nur, sondern reduziert
Schäden durch Hochwasser, Starkregen, Sturm, Dürre oder Hitze.[1]
Deshalb fordern wir die Kommunen auf, neue Grünflächen und Parks anzulegen,
Straßen, Plätze, Dächer und Fassaden zu begrünen. Städte müssen sich anpassen,
um fit zu sein, gegenüber einer Zukunft in der Hitze und Extremwetter zur
Normalität gehören. Die Sicherheit und das Wohlbefinden von Mensch und Natur
können nur in grünen Städten gewährleistet sein. In Anbetracht steigender
Krankheits- und Sterbefälle und der stärkeren Belastung der älter werdenden
Bevölkerung, fordern wir eine stärkere Verschattung innerhalb der Stadt.
Fläche ist eine knappe Ressource vor allem in der Stadt. Dabei sind freie,
versickerungsfähige Böden notwendig für Klimaanpassung, als Gesundheitsschutz,
für den Erhalt der Biodiversität und des natürlichen Wasserkreislaufes. Das
bundesweite Ziel von nur 30 ha Neuversiegelung pro Jahr bis 2030 [2], wurde in
den vergangenen Jahren stark überschritten.
Wir fordern eine Entsiegelung städtischer Fläche im großen Maßstab. Nur so kann
das Ziel der Netto-Null-Versiegelung bis 2050 erreicht werden. Grünflächen
dürfen nicht länger überbaut werden, ohne eine Entsiegelung im gleichen Umfang
an anderer Stelle durchzuführen. Nach einer Entsiegelung muss der ökologische
Wert der Fläche Priorität haben. So kann eine erhöhte Biodiversität durch
Bepflanzung mit ökologisch wertvollen, insektenfreundlichen Arten gewährleistet
werden.
Städte müssen so gestaltet sein, dass Wasser möglichst lange gehalten wird, um
Hochwasser- und Dürreperioden abzufedern und an heißen Tagen zu kühlen.[3]
Dächer, Fassaden und Straßen müssen begrünt werden. Überflutungsflächen und
unversiegelte Grünflächen müssen flächendeckend angelegt werden. Bei bebauten
Flächen müssen versickerungsfähige Materialien verwendet werden. Wir fordern die
Kommunen auf Anreize zu schaffen, Wasser versickern zu lassen, statt es dem
Abwasser zuzuführen. [4]
2024 waren in Deutschland über 18.000 km2 ausgewiesene Verkehrsflächen. Der
Versiegelungsanteil bei Verkehrsflächen ist mit 50 bis 70% dabei besonders
hoch[5], obwohl es auch hier Hebel für eine grünere Planung gibt. Die
Bepflanzung von Straßenrändern mit Bäumen und anderer Vegetation wird nicht nur
positiv von der Bevölkerung aufgenommen, sondern dient dem Klimaschutz, der
Klimaanpassung, der Filterung von Feinstaub und der Artenvielfalt. [6, 7]
Wir fordern die Kommunen auf, ihren Straßenbaumbestand zu erhöhen. Weiterhin
sollen zwischen und neben Straßenbäumen Wildpflanzenbiotope gefördert werden,
beispielsweise indem auf begrünten Straßenrändern maximal 2 mal im Jahr gemäht
wird. Neupflanzungen und Ausgleichspflanzungen soll durch möglichst
klimaresiliente Bäume sowie ökologisch wertvolle Arten erfolgen.
Lärm- und Abgasemissionen sind eine hohe Belastung für die Menschen in der Stadt
und macht sie auf Dauer krank. [9] Aufgrund des andauernden Anstiegs des
Individualverkehrs steigen diese stetig an, trotz effizienterer und
emissionsärmerer Fahrzeuge. [10] Zur Reduktion muss öffentlicher Nahverkehr und
grüne Infrastruktur verstärkt ausgebaut werden.[1] Dadurch wird die Belastung
von Mensch und Natur durch Lärm, Abgase und Feinstaub signifikant reduziert. [1]
Die räumliche Trennung von Wohnen, Arbeit, Einkauf und Erholung erhöht den
Bedarf an Verkehr. Wir fordern eine Verkehrsplanung, die auf kurze Wege und die
Vermeidung unnötigen Verkehrs setzt, das wünscht sich auch eine Mehrheit der
Menschen. [11] Daher fordern wir, dass Wohnsiedlungen nicht ohne notwendige
Infrastruktur geplant werden.
Grünflächen dienen als Erholungsraum und verbessern nachweislich das Wohlergehen
und die psychische Gesundheit. Sie dienen vor allem für Kinder und Jugendliche
auch als Ort für Bewegung und als sozialer Treffpunkt. [4] Alle Menschen müssen
in unmittelbarer Umgebung ihres Wohnortes jederzeit Zugang zu Grünflächen haben.
Die Vernetzung von Grünflächen und Biotopen ist für biodiverse Städte wichtig.
Sie ermöglicht Wanderungen von Tieren und damit eine Lebensraumvergrößerung
sowie den genetischen Austausch aller Arten mit dem Umland. [13] Des Weiteren
können so grüne, kühle und ruhige Geh- und Radwege durch die ganze Stadt
geschaffen werden.
Wir fordern daher die Vernetzung des gesamten städtischen Grün durch grüne
Korridore. Diese dienen auch als Kalt- und Frischluftschneisen und verbessern so
die Luftqualität und senken die Temperatur im Sommer.[1] Dabei sollte auch in
der Innenstadt spontane Natur gefördert werden, indem Bereiche nicht aktiv
gepflegt werden, sondern wild und natürlich wachsen können.
Grünflächen in Städten müssen im Sinne des Erhaltes der Biodiversität gestaltet
werden. Wir fordern auch innerhalb von Städten Vorranggebiete für Umwelt- und
Naturschutz, die zudem zur Naherholung zugänglich sind. Wir fordern die Nutzung
klimaresilienter und ökologisch wertvoller Pflanzenarten zur Begrünung und eine
vielfältige Gestaltung der Grünflächen. Dabei sollten Standortunterschiede sowie
historisch gewachsene Strukturen berücksichtigt werden. Eingriffe in die
Stadtnatur müssen reduziert werden, darunter Mähen von Rasenflächen oder die
Entfernung von Fugenvegetation.
[1]: Tim Kaysers (2026): Stadtbegrünung - Für klimaresiliente, biodiverse und
gesunde Städte. Springer Vieweg Wiesbaden.
(https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-51457-0)
[2]: Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. (o. D.). Transformation gemeinsam
gerecht gestalten Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie Weiterentwicklung 2025.
https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975274/2335292/c4471db32df421a65f13-
f9db3b5432ba/2025-02-17-dns-2025-data.pdf?download=1
[3]: Lena Jourdan (2025): Schwammstadt-Konzept - Einflussmöglichkeiten für ein
nachhaltigeres Wohnquartier, Springer Vieweg, Wiesbaden.
(https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-48366-1)
[4] Säumel et al. (2016): Stadtnatur fördert saubere Luft. In
Ökosystemleistungen in der Stadt, Naturkapital Deutschland – TEEB.de. 86-95, 99
https://www.ufz.de/export/data/global/190508_TEEB_DE_Stadtbericht_Langfassung.pd-
f
[6] Weber, F., Kowarik, I. & Säumel, I. (2014). A walk on the wild side:
Perceptions of roadside vegetation beyond trees. Urban Forestry & Urban
Greening, 13(2), 205–212. https://doi.org/10.1016/j.ufug.2013.10.010
[7] Weber, F., Kowarik, I. & Säumel, I. (2014b). Herbaceous plants as filters:
Immobilization of particulates along urban street corridors. Environmental
Pollution, 186, 234–240. https://doi.org/10.1016/j.envpol.2013.12.011
[8] Mohammad A. Rahman, Eleonora Franceschi, Nayanesh Pattnaik, Astrid Moser-
Reischl, Christian Hartmann, Heiko Paeth, Hans Pretzsch, Thomas Rötzer & Stephan
Pauleit:
Spatial and temporal changes of outdoor thermal stress: influence of urban land
cover types.
Scientific Reports. Date: 13.01.2022.
[11] Suffizienz im Verkehr. (2024, 3. August). Umweltbundesamt.
https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr/nachhaltige-mobilitaet/suffizienz-
im-verkehr#bedeutung
[12] Bundesamt für Naturschutz (2024): Orientierungswerte für öffentliches Grün.
https://www.bfn.de/publikationen/broschuere/orientierungswerte-fuer-
oeffentliches-gruen

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