| Veranstaltung: | Deli |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Aurelija Werner |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 17.08.2026, 09:16 |
A4: Meeresschutz
Antragstext
Einleitung:
Die Vielfalt der Lebensräume im Meer und an den Küsten in Deutschland ist
einzigartig. Ihnen kommt eine hohe ökologische Bedeutung zu. Sie sind aber auch
in hohem Maße einer starken Nutzung ausgesetzt. Daher fordern wir eine Nutzung
im Einklang mit der Natur und setzen uns für ihren Erhalt ein.
Unsere Meere erfüllen sehr viele Funktionen und sind sowohl natürlicher
Lebensraum als auch Ressource für viele menschliche Aktivitäten. Diese
miteinander zu vereinen und den Erhalt unserer Meere langfristig zu sichern ist
Aufgabe für uns alle. Die NAJU fordert daher:
“Die Meeresraumordnung hat die Aufgabe, die vielfältigen, zum Teil
konkurrierenden Raumbedürfnisse menschlichere Nutzung in den heimischen Meeren
planerisch aufeinander abzustimmen und dabei nach Ökosystemansatz die
Belastungsgrenzen der Ökosysteme einzuhalten. So soll die Raumordnung absichern,
dass unsere Meere in einem guten ökologischen Zustand überführt werden können.”
(NABU)
An Nord- und Ostsee ist der Tourismus wichtig. Um Konflikte zwischen Akteuren zu
vermeiden ist eine gezielte und nachhaltige Lenkung der Besuchenden notwendig,
um unter anderem für Sicherheit, Schutz der Natur und Rücksicht auf die lokale
Bevölkerung zu sorgen. Um den Tourismus nachhaltig zu gestalten ist ein guter
ÖPNV ausschlaggebend. Dabei ist die Möglichkeit des Erlebens der Küstengebiete
und deren Ökosysteme ein wichtiger Bestandteil, da eher das geschützt wird, was
man kennt.
Durch wiederkehrende Krisen wird immer wieder bemerkbar, wie wichtig es ist,
sich zügig von fossilen Energien unabhängig zu machen. Neue Genehmigungen für
Förderungen in der Nord- und Ostsee sind Schritte in die falsche Richtung und
sollten deswegen nicht erteilt werden
Im schleswig-holsteinischen Wattenmeer in mitten des Nationalparks darf noch bis
2041 Erdöl gefördert werden. Seit einigen Jahren wird auch von Land in das
Ölfeld hineingebohrt. In der Wirtschaftszone der Doggerbank liegt zusätzlich
noch ein Erdgasförderfeld. Trotz hoher Sicherheitsvorkehrungen bleibt ein Risiko
von Leckagen und Ölunfällen an den Förderplattformen, Pipelines oder beim
Transport. Allein die Vorerkundung hat große Einflüsse auf das marine Leben.
(Q6) Daher ist es insbesondere im Nationalpark wichtig, dass keine weitere
Vorerkundung und anschließende Förderung genehmigt wird und die auslaufenden
Genehmigungen nicht erweitert werden. Wir fordern daher, die Erdgasfelder an der
deutsch-niederländischen Grenze in Ruhe zu lassen. Sie würden nur 1% des Bedarfs
der Erdgasmenge von Deutschland ausmachen, aber dafür das fragile Ökosystem und
seltene Steinriffe zerstören. (Q7)
Windenergie wird immer weiter ausgebaut und ist ein wichtiger Teil der Energie
aus Erneuerbaren Quellen (Q8). Bei dem Ausbau der Offshore-Windkraftfelder muss
ausgiebig auf Umweltverträglichkeit geprüft werden und das Installieren der
Windkraftanlagen mit so wenig Störung der Meeresökosysteme wie möglich verbunden
werden.
Weiteres dazu steht im NAJU-Positionspapier zu erneuerbaren Energien. (NAJU-
Positionspapier - NAJU Bundesgeschäftsstelle)
Fischerei hat in Nord- und Ostsee eine lange Tradition. Der Einzug moderner und
großflächiger industrieller intensiver Befischung hat zusammen mit
Umweltfaktoren die Fischbestände gefährlich schrumpfen lassen. Europaweit galten
zeitweise 90% der Fischbestände als überfischt (Quelle: Meeresatlas). Um den
gefährdeten Fischbeständen eine Möglichkeit zur Erholung zu geben, müssen
Fangquoten und Praktiken angepasst und reguliert werden. Das gilt insbesondere
in geschützten Meeresgebieten. Soziale Faktoren und Tourismus sollten dabei
berücksichtigt werden und nachhaltige Fang- und Vermarktungsmethoden
(beispielsweise durch zertifizierte Siegel für Verbraucher erkennbar) gestärkt
werden.
In den Meeren vor unserer Haustür sind sehr wertvolle Ökosysteme: von den
Wattflächen, Salzwiesen und Prielen in der Nordsee bis zu den Seegraswiesen und
Steilküsten der Ostsee. Sie sind Brut-, Mauser- und Rastplätze sowie
Kinderstuben für verschiedenste Arten, die es gilt zu bewahren und zu schützen.
Wenn sie durch menschliches Einwirken zerstört wurden, gilt es sie zu
renaturieren und den Schutzstatus auszuweiten.
Dazu zählt das Einhalten und Ausbauen der Nullnutzungszonen (nutzungsfreie
Zonen) in Nationalparks und das Erweitern der Nationalparkflächen in der Ostsee.
Schutzgebiete sind ein wichtiges Mittel zum Meeresschutz und unsere Meere sind
in keinem guten Zustand. Die Nutzung der Meere ist so stark ausgeprägt, dass die
Ökosysteme darunter leiden (Q9). Darunter fällt auch die Nutzung durch
Traditionsrechte. Die Ökosysteme sind allerdings ein wichtiger Teil im globalen
Klimasystem und könnten daher einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten,
wären sie in besseren Zuständen. Wir müssen daher, auch zu unserem eigenen
Schutz, den Zustand der Ökosysteme an Meer und Küste verbessern.
Durch die konventionelle Landwirtschaft wurden 2022 rund 16.000 Tonnen
Stickstoff und etwa 520 Tonnen Phosphor über deutsche Flüsse in die Ostsee
gespült. Deutschland hat die Nitrat-Grenzwerte seit ihrer Einführung 2006 kein
einziges Mal eingehalten (Q2). Durch den Nährstoffeintrag kommt es jedoch zu
erhöhten Algenblüten im Oberflächenwasser des Meeres, deren Biomasse absinkt und
am Boden unter Sauerstoffverbrauch abgebaut wird. In sauerstoffarmen Sedimenten
wird jedoch zusätzliches Phosphat freigesetzt, der die Eutrophierung weiter
antreibt. Die Ostsee gilt als weltweit größte zusammenhängende Fläche, die von
Sauerstoffmangel betroffen ist und zählt zu den am stärksten vom Menschen
beeinflussten Meeren weltweit (Q4). Daher müssen die Nährstoffeinträge sofort
und konsequent eingedämmt werden, um die anthropogenen Belastungen der Meere zu
verringern.
Ein weiteres Problem ist der entstehende Lärm durch Bauarbeiten, Schifffahrt
oder Militärische Übungen im Bereich der Meere, in der Luft oder vom Boden aus.
Dieser ist eine große Störung für das Ökosystem und deren Lebewesen, der den
ruhenden Zugvögeln wichtige Energie raubt und beim Schweinswal bis zur Taubheit
führen kann. Durch beispielsweise eine Geschwindigkeitsreduzierung um 20 Prozent
für Containerschiffe kann deren Lärmeintrag um 60 Prozent verringert werden (Q:
BUND).
Zusätzlich liegen circa 1,6 Millionen Tonnen rostende Altmunition in Nord- und
Ostsee. Dabei lösen sich Schwermetalle und Sprengstoff aus den Überresten,
welche die Umgebung vergiften (Q5). Neben der Altmunition befinden sich immer
noch Wracks aus dem 2. Weltkrieg in unseren Meeren, die zurzeit eine tickende
Zeitbombe darstellen. Ein Lösungsansatz wäre, dass die Munition auf den Wracks
entschärft und der Treibstoff abgepumpt wird. (Q5.1) Wir fordern die Bergung
dieser Altlasten; Sprengungen (nur mit Blasenschleiern) sollten nur durchgeführt
werden, wenn eine Bergung nicht möglich ist!
Plastikmüll stellt eine erhebliche Belastung für Nord- und Ostsee dar und
gelangt sowohl vom Land, etwa durch Tourismus und Freizeitaktivitäten, als auch
durch Schifffahrt und Fischerei ins Meer. An den Stränden des OSPAR-Gebiets
(Nordsee und Nordatlantik) macht Plastik rund 95% der gefundenen Müllteile aus
(Q11). Zusätzlich hatten 51% der untersuchten, an der Nordsee gestrandeten
Eissturmvögel Plastik in ihren Mägen (Q11).
Besonders problematisch sind verlorene oder zurückgelassene Fanggeräte
(„Geisternetze“), die über lange Zeit im Meer verbleiben, weiter Fische und
andere Meerestiere gefährden und sich zunehmend zu Mikroplastik zersetzen (Q12).
Eine weitere ökologische Bedrohung sind sogenannte Dollyropes, Plastikschnüre
die den einzigen Zweck haben, dass Schleppnetze am Meeresgrund nicht beschädigt
werden. Stattdessen enden die Dollyropes im Meer und werden zur Gefahr für bspw.
Seevögel wie den Basstölpel, die diese als Nistmaterial verwenden. Insbesondere
Jungvögel verheddern sich darin und verenden. Erfolgreiche Versuche zur
Modifizierung von Netzen sollten zeitnah zur Anwendung gebracht werden. (Q17)
Der Klimawandel verändert die Lebensbedingungen in Nord- und Ostsee grundlegend:
Steigende Wassertemperaturen und zunehmende Versauerung beeinflussen
Artenzusammensetzung, Nahrungsnetze und die Produktivität der Ökosysteme.
Besonders kalkbildende Organismen wie Muscheln und Krebstiere sind von der
zunehmenden Versauerung betroffen (Q14), während sich durch die Erwärmung die
Zusammensetzung von Phyto- und Zooplankton sowie die Verbreitung wärmeliebender
und gebietsfremder Arten (Neobiota) verändern kann (Q15,16). Auch Seegraswiesen
geraten durch steigende Temperaturen und weitere Umweltveränderungen unter
Druck, obwohl sie wichtige Lebensräume für zahlreiche Organismen bieten und
große Mengen Kohlenstoff speichern können (Q13). In der Ostsee können
klimawandelbedingte Veränderungen von Niederschlag und Süßwasserzuflüssen die
empfindlichen Ökosysteme zusätzlich unter Druck setzen. Auch Veränderungen der
für den Sauerstoffhaushalt wichtigen Salzwassereinströme aus der Nordsee könnten
die Lebensbedingungen in der Ostsee beeinflussen (Q13).
Um die Widerstandsfähigkeit der Meere gegenüber den Folgen des Klimawandels zu
erhalten und weitere irreversible Schäden zu begrenzen, fordern wir eine
konsequente Reduktion der Treibhausgasemissionen mit dem Ziel, die globale
Erwärmung so weit wie möglich auf 1.5°C zu begrenzen. Gleichzeitig müssen
bestehende Ökosysteme wie Seegraswiesen konsequent geschützt und
wiederhergestellt werden, um ihre Funktion als Lebensraum und
Kohlenstoffspeicher zu erhalten.
Um das Erleben der Küstengebiete und deren Ökosysteme Touristen und
Bewohner*innen näher zu bringen ist Bildung für Nachhaltige Entwicklung wichtig.
Eine Möglichkeit wären Citizen Science Projekte oder Freiwilligendienste.
Citizen Science Projekte sind niedrigschwellige Angebote an alle Menschen, um
Daten zu sammeln und gleichzeitig die Selbstwirksamkeit zu stärken.
Interessierte Personen können so an den Meeresschutz herangeführt werden und zum
Schutz der Ökosysteme beitragen. Der Ausbau und die Förderung dieser Projekte
sind wichtig, kann aber nicht das einzige Monitoring von Daten werden. Daher
muss auch Meeresforschung zum Schutz und Erhalt unserer Meere finanziell
unterstützt werden.
Unsere Meere sind von einer Vielzahl von Staaten umgeben, die Ökosysteme und die
darin lebenden Lebewesen kennen aber keine Grenzen. Es gibt bestehende Verträge
und Abkommen (z.B. Helsinki-Kommission HELCOM, Hansa-Abkommen) zur
internationalen Zusammenarbeit, bei denen es an der Einhaltung und Umsetzung
mangelt. Das muss dringend geändert werden! Die HELCOM beispielsweise beinhaltet
eine Vereinbarung zu Schutzmaßnahmen, um einen guten ökologischen Zustand der
Ostsee zu erreichen (Q10). Diese vereinbarten Schutzmaßnahmen müssen nun wirksam
durchgeführt werden, denn wenn die gesetzten Ziele in der aktuellen Periode bis
2030 nicht erreicht werden, müssen Konsequenzen für die Staaten folgen und somit
die Vereinbarung gerichtbar gemacht werden.
Quellen:
Q1: Wasseratlas, S. 14
Q2: Wasseratlas, S. 20
Q3: Thuenen: Deutsche Aquakultur im Überblick
Q4: Naumann, M. (2022). Sauerstoffmangel– das zentrale ökologische Problem der
Ostsee. Geographische Rundschau, 74, 16–21.
Q5: Zeitbomben im Meer: Weltkriegsmunition bedroht Nord- und Ostsee | National
Geographic
Q5.1: https://www.ndr.de/nachrichten/info/weltkriegs-schiffswracks-am-
meeresboden-die-stille-bedrohung,schiffswracks-100.html
Q6: Öl- und Gasgewinnung in der Nordsee
Q7: Gasbohrungen vor Borkum – Deutsche Umwelthilfe e.V.
Q8: Windenergie auf See (Offshore-Windenergie) | Umweltbundesamt
Q9:Wissenschaftlich begründete Widerlegung einiger Argumente gegen einen
möglichen Nationalpark Ostsee
Q10: BMUKN: Internationales Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des
Ostseegebiets – Helsinki-Kommission (HELCOM)
Q11: https://www.ospar.org/work-areas/eiha/marine-litter
Q12: https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/WWF-Brosch%C3%BCre-
Geisternetze-Gefahr-f%C3%BCr-Tier-und-Mensch.pdf (WWF-Broschüre “Geisternetze -
Gefahr für Tier und Mensch”)
Q13: https://stateofthebalticsea.helcom.fi/findings/pressures/climate-change/
Q14: https://oap.ospar.org/en/ospar-assessments/quality-status-reports/qsr-
2023/other-assessments/ocean-acidification/
Q15: https://oap.ospar.org/en/ospar-assessments/quality-status-reports/qsr-
2023/indicator-assessments/changes-plankton-communities/
Q16: https://helcom.fi/baltic-sea-trends/climate-change/
Q17: https://www.thuenen.de/de/themenfelder/meere/bewertung-der-meeresumwelt-
und-schutzkonzepte/bunt-unkaputtbar-und-ueberfluessig

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